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Artikel: Gespräch mit der Young Mountain Guides Foundation Zermatt

Gespräch mit der Young Mountain Guides Foundation Zermatt

Zwischen Verantwortung, Vertrauen und gelebten Werten

Bergsteigen ist weit mehr als das Erreichen eines Gipfels. Es steht für Vorbereitung, Verantwortung und den respektvollen Umgang mit Mensch und Natur. Genau diese Werte vermittelt auch die Young Mountain Guides Foundation Zermatt (YMGF), die junge Menschen auf ihrem Weg zum Bergführer begleitet. Für die aktuelle Ausgabe unserer Brotzeitung durften wir mit Patrice Biner sprechen. Im Interview erzählt er, weshalb Zermatt ein besonderer Ausbildungsort ist, welche Werte junge Bergsteigerinnen und Bergsteiger mit auf den Weg erhalten und warum der Beruf des Bergführers bis heute eine wichtige Rolle für die Region spielt.

 

 

Was ist die Grundidee der Young Mountain Guides Foundation Zermatt?

Die Stiftung ist entstanden, weil im Bereich des Bergführernachwuchses über längere Zeit zu wenig passiert ist. Es haben immer weniger junge Menschen den Beruf abgeschlossen. Diese Entwicklung wollte man bewusst auffangen und wieder neue Wege schaffen, um motivierte Personen zu unterstützen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei auch der finanzielle Aspekt. Die Ausbildung zum Bergführer ist aufwändig und mit Kosten verbunden. Die Stiftung unterstützt hier gezielt, indem sie Vorbereitungskurse und Module finanziert. Dadurch wird eine Hürde genommen und der Zugang erleichtert.

Die Förderung erfolgt in mehreren Stufen. Bereits junge Menschen werden an die Berge herangeführt. Später werden die Kenntnisse vertieft, bevor angehende Bergführer gezielt auf die Ausbildung vorbereitet werden. Ein grosser Teil dieser Arbeit findet im Rahmen der JO-SAC statt.

Welche Rolle spielt Zermatt als Ausbildungsort für junge Bergsteigerinnen und Bergsteiger?

Zermatt hat nach wie vor eine besondere Stellung. Die Region ist stark mit dem Bergführerwesen verbunden und bietet mit ihrer Vielfalt an Routen, der Nähe zum hochalpinen Gelände und einer gut ausgebauten Infrastruktur ideale Voraussetzungen, um den Beruf zu erlernen.

Gleichzeitig ist Zermatt auch ein Ort, an dem der Beruf tatsächlich ausgeübt werden kann. Es gibt genügend Arbeit für Bergführer, was die Ausbildung zusätzlich sinnvoll macht. Die Verbindung zwischen Ausbildung und Praxis ist hier sehr direkt.

Auch hier unterstützt die Stiftung, indem sie gute Vorbereitungsmöglichkeiten schafft und einen Teil der finanziellen Belastung übernimmt. So können sich die Teilnehmenden stärker auf die Ausbildung selbst konzentrieren.

 

 

Welche Werte stehen bei der Ausbildung junger Menschen im Mittelpunkt?

Im Zentrum stehen nicht einzelne Leistungen, sondern eine Haltung. Dazu gehört die Verbundenheit zur Natur, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, im Team zu arbeiten. Bergsteigen findet selten allein statt. Die Seilschaft funktioniert nur, wenn man sich aufeinander verlassen kann.

Ein wichtiger Teil ist auch der Umgang mit Risiko. Junge Menschen lernen, Situationen einzuschätzen und Entscheidungen bewusst zu treffen. Es geht darum, Strategien zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Gleichzeitig spielt das gemeinsame Erleben eine grosse Rolle. Oft sind Gruppen von jungen Leuten gemeinsam unterwegs, sei es beim Skifahren oder auf Touren. Dabei steht nicht die Leistung im Vordergrund, sondern das Zusammensein und das bewusste Erleben der Berge. Viele dieser Erfahrungen wirken weit über das Bergsteigen hinaus.

Was macht den Beruf des Bergführers aus und was kann er den Gästen vermitteln?

Ein Bergführer vermittelt weit mehr als Technik oder den sicheren Weg zum Gipfel. Es geht darum, Menschen durch Situationen zu begleiten, die sie alleine oft nicht bewältigen könnten. Dabei entstehen Erlebnisse, die über das reine Bergsteigen hinausgehen. Momente, die fordern, manchmal auch an Grenzen führen, sei es körperlich oder durch äussere Bedingungen wie Wetter oder Gelände.

Der Bergführer behält dabei die Übersicht und die Ruhe. Er trifft Entscheidungen, gibt Sicherheit und schafft Vertrauen. Gerade in anspruchsvollen Situationen entsteht eine besondere Verbindung zwischen Gast und Bergführer. Diese gemeinsamen Erlebnisse bleiben oft lange in Erinnerung und führen nicht selten zu Beziehungen, die über Jahre bestehen.

Viele Gäste kommen genau deshalb nach Zermatt. Sie suchen nicht nur eine Tour, sondern ein echtes Erlebnis in den Bergen. Der Bergführer macht diese Erfahrungen möglich und schafft einen Zugang zur Natur, der ohne diese Begleitung so nicht erlebbar wäre. Es sind genau diese Momente, die den Beruf auszeichnen und ihn für die Region so wichtig machen.

 

 

Welche Verantwortung tragen erfahrene Bergführerinnen und Bergführer gegenüber der nächsten Generation?

Eine Verantwortung ist klar vorhanden. Es geht darum, den Beruf langfristig zu erhalten und seine Qualität zu sichern. Der Bergführerberuf soll auch in Zukunft eine Perspektive bieten und weiterhin als ernsthafter Beruf wahrgenommen werden.

In anderen Bereichen hat man gesehen, wie sich ein Beruf verändern kann, wenn der Markt sehr gross wird und die Qualität nicht immer im Vordergrund steht, etwa beim Skilehrer. Beim Bergführerwesen möchte man genau das vermeiden.

Erfahrene Bergführer tragen dazu bei, Wissen weiterzugeben und eine Haltung vorzuleben. Damit junge Menschen den Beruf nicht nur erlernen, sondern ihn auch langfristig ausüben können.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft des Bergsteigens in Zermatt?

Das Bergsteigen hat sich in den letzten Jahren verändert. Gäste reisen anders, planen kurzfristiger und haben mehr Möglichkeiten als früher. Das wirkt sich auch auf die Arbeit der Bergführer aus. Touren sind weniger langfristig planbar, Entscheidungen werden oft kurzfristiger getroffen und die Saison verläuft weniger konstant als früher.

Gleichzeitig bietet diese Entwicklung auch Chancen. Gerade im Sommer gibt es heute mehr Möglichkeiten, die Berge zu erleben. Neben klassischen Hochtouren sind auch einfachere Erlebnisangebote entstanden, etwa Gletscherwanderungen, kombinierte Touren oder Einblicke ins alpine Gelände für Einsteiger. Dadurch wird das Bergsteigen für ein breiteres Publikum zugänglich.

Für die Zukunft steht vor allem der Nachwuchs im Vordergrund. Es ist wichtig, dass genügend junge Menschen den Weg in den Beruf finden und dass keine Lücken entstehen. Die Voraussetzungen in Zermatt sind gut, und es gibt genügend Arbeit. Der Beruf bleibt relevant für die Region.

 

 

Was sollen junge Menschen aus ihrer Zeit bei der Young Mountain Guides Foundation fürs Leben mitnehmen?

Viele der erlernten Werte gehen über das Bergsteigen hinaus. Der Umgang mit Verantwortung, das Arbeiten im Team und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, sind auch im Alltag wichtig.

Ob jemand später als Bergführer arbeitet, weiterhin privat in die Berge geht oder einen ganz anderen Beruf wählt, spielt dabei keine Rolle. Die Erfahrungen aus dieser Zeit bleiben und begleiten viele weiter.

 

Mehr Geschichten rund ums Bergsteigen

Das Interview ist Teil der Brotzeitung Nr. 29 mit dem Schwerpunkt «Zermatt und das Bergsteigen». Neben dem Gespräch mit der Young Mountain Guides Foundation Zermatt erwarten dich spannende Einblicke in die Entstehung unseres Bergführerbrots, die persönliche Verbindung von Sandra und Philipp Fuchs zu den Bergen sowie weitere Geschichten und Fakten rund um das Bergsteigen in Zermatt.

Die aktuelle Brotzeitung liegt kostenlos in allen Filialen der Bäckerei Fuchs auf oder kann online gelesen werden.

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